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Blondie

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen.

Diese Geschichte beginnt vor einigen Jahren, als ich mit meiner Familie umzog. Ich fuhr das erste Mal mit dem Bus zur Schule. Ich besaß damals noch kein Handy, das einen Internetzugang hatte. Also ließ ich meinen blick durch den Bus schweifen. Und da erblickte ich sie. Ein wunderschönes Mädchen. Lange Blonde Haare, leuchtende blaue Augen und ein hübsches, rundes Gesicht.

Ohne, dass sie es merkte, fing sie meinen Blick und während der ganzen Fahrt huschte mein Blick immer wieder zu der unbekannten Schönheit, in der Hoffnung, sie würde es nicht bemerken.
Den ganzen Tag in der Schule, auf dem Weg nach Hause, bis ich abends schlafen ging, erschien mir immer wieder das bild dieses Mädchens vor meinem geistigen Auge.

Einige Tage später sah ich sie wieder und dieses Spiel ging von vorne los. Doch dieses Mal blickte sie ein Mädchen an, das zufällig neben mir saß. Sie lächelte. Dieses Lächeln werde ich mein Lebtag nicht mehr vergessen. So ehrlich und freudig, wie es nur eben sein kann. 

Für einen kurzen Moment dachte ich, sie hätte mich gemeint und in mir spürte ich eine warme Woge voller Freude, die sich aufzutürmen versuchte. Doch als ich begriff, dass ich nicht gemeint war, erstarrte sie augebnblicklich zu Eis.

So ging es nun oft weiter. Viele, viele Male sah ich dieses Mädchen nun im Bus. Viele szenarien flogen mir durch den Kopf. Mal erhob ich mich von meinem Platz und setzte mich neben sie. Mal lächelte ich sie einfach an, wenn sie in meine richtung sah. Und ein anderes Mal sah ich ein Bild unseres ersten Kusses. Doch ich brachte es nicht über das Herz, einfach aufzustehen und meine Chance zu ergreifen.

Zwei Jahre lang nannte ich sie in meinen Gedanken "Blondie". Was keinesfalls böse gemeint war, denn ich wusste nach wie vor nichts über sie. Nicht einmal ihren Namen. Sie fesselte meine Gedanken und band sie an sich, wie es noch keine andere vor ihr konnte. Dieses unbekannte Mädchen ließ mich nicht mehr los. Eines meiner Hobbys war das Verfassen von Geschichten. So ließ ich meinen Gedanken freien Lauf und machte meine unbekannte Schönheit zur Hauptfigur eines von mir selbstgeschriebenen Liebesromanes.

Auch wenn ich sie eine lange Zeit nicht sah, verging keine lange Zeit, ohne, dass ich nicht an sie gedacht hätte. Zuweilen besuchte sie mich in meinen Träumen. Und es waren nicht jene ordinären Träume, wie manch einer vielleicht vermuten würde. Es waren Träume jener Natur, die zeigten, was vielleicht passieren würde, wenn ich Worte fände, um sie ihr zu sagen.

Dann, eines Tages, für mich völlig unerwartet, gab mir das Schicksal eine chance, auf die ich zwei Jahre gewartet hatte. Ich erfuhr, wie sie hieß. Nach so langer Zeit wusste genau, was ich ihr sagen würde. So verfasste ich eine kurze Version der hier erzählten Geschichte. Und wider Erwarten hörte sie mir zu und antwortete meinen Worten.

Bald darauf unternahm ich einen Versuch, sie näher kennen zu lernen. Sie schien eine nette Person zu sein. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, sie kennen zu lernen. Zweieinhalb Jahre, hatte ich mir vorgestellt, was sie wohl für ein Mensch sein würde und nun würde ich die Chance bekommen, endlich eine Antwort auf viele meiner Frage zu erhalten.

Sie schrieb niemals wieder zurück. Es kam nichts mehr von ihr. Einige Monate habe ich gewartet. doch sie hat mich enttäuscht. Sie hätte es nicht wissen können, doch gleich einem Bogenschützen jagte sie mir einen Pfeil direkt in mein Herz.

So war es mir leider nicht vergönnt, zu erfahren, was für ein Mensch jene blonde Schönheit war, mit denen ich in meinen Träumen Minuten, Stunden, Tage und manchmal ein ganzes Leben verbracht hatte.

28.12.15 20:41
 
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